Hurra, der neue Duden ist da:

Jetzt mit Shitstorm und Dschungelcamp!

 

Rund 5000 neue Wörter verzeichnet der neue Duden. Welche das genau sind, bleibt ein Geheimnis der Duden-Redaktion. Schade! Shitstorm und Dschungelcamp sind jedenfalls dabei, das wusste ich schon aus den Presseberichten. Stichprobenartig arbeite mich durch den rund 1,2 kg schweren und 1.216 Seiten dicken Wälzer.

 

Was da alles drinsteht!

Unmengen an Fremdwörtern beispielsweise und massenweise geografische Begriffe aus aller Welt. Ob diese Wörter den „deutsche Wortschatz“ repräsentieren, möchte ich nicht beurteilen. Zwei Dinge allerdings stören doch gewaltig. Nämlich die offensichtliche Begeisterung der Duden-Redaktion für die englische Sprache und für die Umgangssprache.

 

Englisch für Deutsche

Ob Manager, Fußballfan, Computerfreak (nicht im Duden!) oder Fernsehzuschauer: Wer im Englisch-Unterricht geschlafen hat, bekommt hier Nachhilfe. Von Assessment-Center und  Key-Account-Manager bis Champions League, Tag-Cloud, Reality-TV und  Coach-Potato – im Duden steht, wie man es schreibt, was es bedeutet und auch wie man es ausspricht.

 

Wer die deutsche Sprache liebt …

… wird daran keine Freude haben. Auf den Low-Coast-Carrier beispielsweise kann ich gut verzichten. Zumal der Duden selbst die treffenden deutschen Ausdrücke nennt: Billigfluglinie oder Billigflieger. Gleiches gilt für den Lookalike-Contest, uns allen als Doppelgänger-Wettbewerb bekannt. Auch wer den Schiedsrichter als Referee tituliert, bereichert wohl nicht die deutsche Sprache. 

 

Ganz schön derb.

Damit komme ich zum Bekenntnis der Dudenmacher zur Umgangssprache. Man hat dem Volk wieder ordentlich aufs Maul geschaut und zahlreiche Neuschöpfungen entdeckt.

 

Nachdem die Saftschubse (= Flugbegleiterin), das Komasaufen und das Unterschichtenfernsehen bereits einen Stammplatz im Duden haben, kommt’s  jetzt noch derber. Der Vollpfosten und der Spacken bzw. Spacko wurden ins Standardwerk aufgenommen. Weiterhin locker geht's auch beim Arsch zu. Neben den bekannten Ausdrücken wie Arschbacke, -bombe, -geige und -kriecher werden jetzt auch die Arschkarte und das Arschgeweih aufgeführt und erläutert. Jetzt will ich's wissen: Klempnerritze oder Maurerdekolleté? Schade, beides Fehlanzeige. 

Macht Spaß: der Duden online!

Das Ganze wäre schlimm, gäbe es da nicht den Duden online. Mein Tipp: Das Geld für die gedruckte Ausgabe sparen und bei Bedarf einfach online nachschlagen. Die Werbung ist zwar etwas nervig, dafür kostet es nichts. Und online hat der Duden viel mehr zu bieten. Bei etlichen schwierigen Wörtern kann man sich die Aussprache anhören. Es gibt Hinweise zur Grammatik und zum Gebrauch. Unterschiedliche Bedeutungen werden detailliert aufgeführt und erläutert. Beispielsätze veranschaulichen die Anwendung („der Vollpfosten hat sich total besoffen ans Steuer gesetzt“). Das Wörterverzeichnis ist umfangreicher und neben dem gesuchten Wort bietet der Duden online auch ähnliche Wörter und solche aus dem Umfeld an.

 

Der Suchbegriff „Fahrrad“ beispielsweise liefert 125 Treffer. Darunter auch das Hollandrad, das Pedelec und das E-Bike – alle drei sind nicht in der gedruckten Ausgabe verzeichnet!  Außerdem Synonyme wie Drahtesel, Stahlross, Radl und Eierschaukel.  Der Ernst, mit dem letzteres in einem separaten Artikel abgehandelt wird, hat etwas Heiteres!

Treffend wird der Radfahrer definiert: Jemand, der sich Vorgesetzten gegenüber um eigener Vorteile willen unterwürfig verhält, Untergebene jedoch schikaniert. Als Synonyme werden hierfür u.a. Duckmäuser, Kriecher, Schleimer und Speichellecker vorgeschlagen.

Das alles ist überaus praktisch, es hilft beim Formulieren und verführt zum Stöbern.

 

Armer Hashtag!

Welche prominenten Neuzugänge haben 2013 den Sprung in den Duden geschafft?  Hier eine kleine Auswahl:

  • App, Cloud-Computing, Gaming, Facebook (Endlich: Google ist seit 2009 dabei!), Flashmob, lol, QR-Code, ranken (bewertend einstufen), Shitstorm, Social Media, Tag-Cloud, Tweet, twittern
  • Eurobond, Finanztransaktionssteuer, Schuldenbremse, Schuldenschnitt, Zockerpapier
  • Energiewende, Me-too-Produkt, Südsudan, Juba (Hauptstadt des Südsudan), Rabaukin, Vorständin
  • Alkoholschloss, bespaßen, Dschungelcamp,  E-Book-Reader, E-Zigarette, Laubbläser, Leergutautomat, Liebesschloss, Low-Carb-Diät, wellnessen, Zumba
  • Enkeltrick, hartzen,  Klaukind, Spacken, Spacko, Vollpfosten, Wutbürger, Wutbürgerin

Natürlich stehen schon Wörter auf der Warteliste für den nächsten Duden. Drin ist bereits der launige Kommentar „lol“ (=  laughing out loud), ein Anwärter ist die Steigerung „rofl“ (= rolling on the floor laughing). Twitterer erwarten sehnsüchtig den Hashtag #. Im Duden online heißt es wunderschön: „Leider haben wir zu Ihrer Suche nach 'Hashtag' keine Treffer gefunden. Oder meinten Sie: Waschtag?“ Tja: rofl!

Ich lese gerade:

Dieses "Lexikon der Ruhrgebietssprache" habe ich im Industriepark Duisburg Nord gekauft. Den Spaziergang durch die Ruinen des alten Stahlwerks fand ich beeindruckend. Vor allem natürlich, weil ich selbst im Ruhrpott geboren wurde. Meine Eltern und Großeltern haben Ruhrgebietsdeutsch gesprochen. Papa war aufm "Pütt" und hat mit dem "Mottek" gearbeitet. Ich war der "Lorbass", durfte nicht an der "Köttelbecke" spielen und habe mich über "Klümpken" gefreut.

Schön, dass Sprache so vielfältig sein kann! 

Werner Markowitz

denkt I schreibt

 

Weyerstraße 68

41363 Jüchen

 

Telefon

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